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Die Kisten sind gepackt - Bilanz und Ausblick

16.1.2004

Liebe Netties,
time to say goodbye, denn in Kürze montiere ich meine PCs auseinander, packe meinen ganzen Rödel und mache mich auf und davon nach Madagaskar, um meinen langjährigen Traum - den Aufbau einer Solarfirma - mit einem madagassischen Ingenieur zu realisieren.

Diese Mail ist etwas länger, aber nach den schönen Jahren mit Euch - per Liste und live - möchte ich Euch zum Abschied doch noch ein paar Zeilen angedeihen lassen und Bilanz ziehen.

Nach insgesamt 10 Jahren im Medienbereich (meine Zeitrechnung orientiert sich immer noch an den glorreichen Broadcast-Zeiten, die ich erleben durfte) zieht es mich wie einst Hans Albers hinaus in die Ferne.

So ganz von ungefähr kommt das nicht, denn nach immerhin 8 insgesamt doch recht erfolgreichen Jahren als Freiberuflerin waren die beiden letzten mehr als mühsam und finanziell äusserst schwierig, denn vielen meiner Stammkunden im Medienbereich ging es gar nicht gut. Manche schrappten grade mal so an der Insolvenz entlang oder haben diese Zeit nicht überlebt, und die Mediengestalterausbildung, von der ich viele Jahre recht gut gelebt habe, wurde drastisch heruntergefahren.

Die in recht übersichtlicher Zahl neu akquirierten Kunden waren grossenteils sehr anstrengend, versuchten die Preise bis ins Bodenlose zu drücken, wehrten sich gegen mehrfaches Anmahnen einer Rechnung mit Mängelrügen und wenn nicht alles bis ins kleinste Detail schriftlich fixiert worden war, gab es jedesmal Stress.

Für mich, die ich es jahrelang gewöhnt war, auf Zuruf zu arbeiten - oft
sogar ohne schriftliche Bestätigung ("et hätt' noch emmer juut jejange", wie man in Köln so sagt) und die ich immer die kleinen und kurzen Dienstwege und unkonventionellen Massnahmen geliebt habe, ist das alles ziemlich unerquicklich.

Umso mehr lernte ich dabei die langjährige, immer angenehme und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit meinen leider vom Schwund befallenen Stammkunden schätzen, bei der man Probleme gar nicht erst entstehen lässt, sondern im Gespräch klärt, bei der es beiden Seiten an einer korrekten und pünktlichen Abwicklung gelegen ist und wo man das Gefühl der persönlichen Wertschätzung hat, die im Geschäftsleben von heute irgendwie verloren gegangen zu sein scheint.

In 2003 überrollte diese Entwicklung regelrecht alle Bereiche meines
Lebens - beruflich, finanziell und auch privat. Aber da jeder Krise auch eine Chance für einen Neuanfang innewohnt, ist es endlich an der Zeit, Träume zu realisieren, die seit 6 Jahren in der Schublade liegen:

Ich wandere Anfang Februar nach Madagaskar aus, um dort mit einem lokalen Elektroingenieur eine Solarfirma aufzubauen. Nach vielen schwierigen Entscheidungen, die zu treffen waren, bleibt nun nur noch der organisatorische Teil, und auch der ist jetzt schon grossenteils erledigt.

Madagaskar hat seit letztem Jahr - nach 9 Monaten währenden politischen Unruhen, während der der langjährige Diktator Ratsiraka aus dem Land gescheucht wurde - einen sehr engagierten und modernen Präsidenten, der schon viele positive Veränderungen herbeigeführt hat und Investoren ins Land holen will. Es herrscht Aufbruchstimmung im Land, und man sagt, "jetzt kommen die hartgesottenen Risikobereiten, danach die Vorsichtigeren...".

Ich sehe mich als so eine Art "social entrepreneur" - im Prinzip reicht es
mir, wenn ich gut über die Runden komme, etwas Sinnvolles tun kann und dabei auch noch anderen Leuten auf die Sprünge helfe, denen es nicht so gut geht wie mir.

Unsere Firma wird folgenden Service bieten:

  • Beratung, Vertrieb, Installation und Service fuer Solaranlagen
  • Produktion von Mini-Solarsystemen als Batterieersatz für Radios,
    Taschenlampen, kleine Ventilatoren usw.
  • Vertrieb von verschiedenen Solarkochern
  • Existenzgründerschulungen (z.B. Strassenküche mit Solarkocher, Marmelade für die lokalen Hotels)
  • Videoproduktion fuer ausländische Firmen und Hilfsorganisationen, die ihre Projekte in Madagaskar dokumentieren wollen
  • Übersetzungsservice und Kontaktbüro für deutsche und madagassische Kooperationspartner
  • PC- und Videoschulungen

Wenn genügend Nachfrage besteht und die Besuche von Freunden, Bekannten und Hamburger Networkern immer zahlreicher werden, wird noch ein kleines Hotel angegliedert...

Aber Scherz beiseite - Madagaskar ist eine wunderschöne Insel, die man unbedingt mal gesehen haben muss... (zumal es dort ja schon bald eine Anlaufstelle gibt).

Dank Internet verliert man sich heute ja nicht mehr so schnell aus den
Augen. Irgendwann werde ich wohl auch eine neue Website (4-sprachig, mit Shop) haben.

Euch allen wünsche ich alles, alles Gute für alle Bereiche des Lebens, vor allem das Gefühl fuer die richtige Entscheidung im richtigen Augenblick!

Seid alle miteinander herzlich gegrüsst - ein bisschen werdet Ihr mir schon fehlen...
Ich werde dann einfach Jürgen oder Martina anmailen und auch ein paar Fotos schicken..

Elfi

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