23.4.2004
Hi Jürgen,
wie geht es Euch so in good old Hamburg? Ich hoffe, die Zeiten sind wieder besser geworden, auch wenn es für mich inzwischen schon nahezu unvorstellbar ist, in Deutschland zu arbeiten und zu leben - so super hat sich das alles hier entwickelt.
Seit zwei Wochen bin ich endlich im Besitz meines Autos und der darin transportierten wertvollen Besitztümer. Die Zollabwicklung dauerte zwar länger als ich dachte, was vielleicht auch an dem etwas langsam arbeitenden Transitär lag, dafür lief aber alles völlig komplett und ohne „Motivationsgelder“ - auch „Risoriso“ genannt - ab. Hierher kann man auch Stückgut (Seekisten in einem Container) transportieren lassen, was für meine ersten Solarbestellungen wichtig ist, da ich mit Sicherheit nicht einen kompletten 20Fuss-Container bestellen kann.

Auch die Solarkocher sind seit zwei Tagen aufgebaut und täglich in Betrieb. Monsieur Solo, mein Techniker, ist ein echter Glücksgriff - er denkt mit, hat viele eigene Ideen und hat schon so vielen Leuten von dem erzählt, was wir vorhaben, dass es schon eine Menge Interessenten gibt, bevor die Firma überhaupt angemeldet ist (was etwas länger dauert, da man vorher ziemlich viele Bescheinigungnen und Ausweise besorgen muss).
Unser Kühlschranksystem (Solarpanel mit Batterie und Kompressorkühlschrank, der auf 12V/24V oder 230 V läuft) ist endlich auch installiert, so dass wir die Butter nicht mehr in einer Schüssel mit kaltem Wasser aufbewahren müssen (das ist hier nur morgens um 5.00 Uhr aus der Leitung zu bekommen - mittags ist das Wasser so heiss, dass man sich fast verbrennt!). Die Nachführsysteme für die grosse Anlage (für PC usw.) sind bei einem lokalen Klempner bestellt, und gestern lieferte der Tischler die Möbel für die Werkstatt. Auch da hat Monsieur Solo viele Beziehungen zu bewährten Kooperationspartnern.
Gestern war der Stromableser da, der sich aufgrund der Privatisierung des staatlichen Stromversorgers irgendwo in der Provinz selbständig machen will. Wieder so ein Glücksfall - der Mann würde gern unsere Systeme vertreiben, und genau so einen, der zudem noch Ahnung von Technik hat, brauchen wir, da die Fahrten in die Pampa für uns zu aufwendig wären.

Für die Vorstellung des Projekts habe ich übrigens eine 30-minütige Audienz beim Energieminister persönlich bekommen - wobei das nationale Umweltamt offenbar durch eine Empfehlung wesentlich beigetragen hat. Das ist das Schöne an afrikanischen Ländern - man bekommt viel leichter Termine bei hoch gestellten Persönlichkeiten als bei uns.
Da ich bisher nur Geld ausgegeben habe, das trotz der preiswerten Lebensunterhaltskosten einen erschreckenden Schwund erfährt, bin ich total froh, dass ich schon im Februar, kaum dass ich hier war, durch eine Bekannte einen Übersetzungsauftrag (sogar ein Neukunde!) bekam. Ein Stammkunde aus meiner Videozeit hat ebenfalls schon wegen 50 Seiten angefragt - ist das nicht irre? Da bin ich 10.000 km weit weg, und plötzlich kommen die Aufträge von selber zu mir, nachdem ich mich zwei Jahre lang vergeblich abgestrampelt habe !

Es muss geputzt, gewaschen, eingekauft und gekocht werden; ausserdem soll sich Fidy ein bisschen in die Solartechnik einarbeiten und ist sozusagen gleichzeitig Monsieur Solos Lehrling und Assistent. Bei einigermassen Talent - und er ist offenbar sehr interessiert - kann er später die kleinen Lötarbeiten usw. übernehmen, so dass Monsieur Solo frei ist fuer wichtigere Dinge wie Akquisition und Dimensionierung von Systemen.
Mein Hundi hat sich ebenfalls prächtig entwickelt, er kann seit 2 Wochen bellen und sogar knurren. Vorgestern machten ihn am Tor fünf Hunde aus der Nachbarschaft an - na denen hat er aber die Leviten gelesen! Tsy Kivy heisst ja auch wörtlich übersetzt „lässt sich durch nichts entmutigen...“). Leider gehorcht er anderen Leuten - besonders Männern - besser als mir, aber das Chefin spielen und delegieren muss ich überhaupt erst noch lernen...
So, das waren erstmal die wichtigsten Neuigkeiten !
Seid alle miteinander herzlich gegrüsst - viele Grüsse auch an alle Networker!
Eure Elfi
PS:
Wenn es in Good Old Germany nicht mehr läuft - hier kann man noch etwas aufbauen. Das Land befindet sich in Aufbruchstimmung, vieles - z.B. die Zollabwicklung und durch Antikorruptionsmassnahmen - hat sich schon geändert. Es wurden und werden noch viele Leute in den Behörden ausgetauscht, was aber natürlich nicht von heute auf morgen geht.
Investoren sind noch dünn gesät, besonders die Deutschen haben Angst, sich in Afrika zu engagieren.
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